In einem wegweisenden Rechtsstreit wird ein Schweizer Gericht eine Klimaklage gegen den Zementgiganten Holcim verhandeln, die von vier Bewohnern der tief gelegenen indonesischen Insel Pari eingereicht wurde. Die Kläger machen Holcim für den Anstieg des Meeresspiegels verantwortlich, der ihre Insel zu verschlingen droht, und werfen dem Unternehmen vor, nicht ausreichend zur Reduzierung seiner Kohlenstoffemissionen beizutragen. Diese Gerichtsverhandlung markiert ein historisches Ereignis, da es die erste Klimaklage gegen ein Unternehmen in der Schweiz ist, die zur Verhandlung zugelassen wurde, wie von Swiss Church Aid (HEKS/EPER), einer der unterstützenden Nichtregierungsorganisationen, bestätigt wurde.
Dieser Fall ist mehr als ein lokaler Konflikt; er ist Teil einer globalen Bewegung, die darauf abzielt, große Unternehmen für die weitreichenden und oft verheerenden Folgen des Klimawandels zur Rechenschaft zu ziehen. Besonders betroffen sind Millionen von Menschen in ärmeren Ländern, deren Existenzgrundlagen durch extreme Wetterereignisse und den Meeresspiegelanstieg gefährdet sind. Die Klage wurde bereits 2023 von Ibu Asmania, Pak Arif, Pak Edi und Pak Bobby beim Kantonsgericht in Zug eingereicht, dem Hauptsitz von Holcim. Die Situation auf Pari Island ist prekär: Die Insel liegt nur 1,5 Meter über dem Meeresspiegel, und Prognosen deuten darauf hin, dass der Großteil davon bis 2050 durch steigende Wasserstände überflutet werden könnte.
Die Kläger, die von einer Koalition internationaler NGOs unterstützt werden, darunter Swiss Church Aid (HEKS/EPER), das Europäische Zentrum für Verfassungs- und Menschenrechte sowie das Indonesische Forum für Umwelt (WALHI), betonen, dass Holcim zu den weltweit größten Emittenten von Treibhausgasen gehört. Ihre Forderungen sind konkret und weitreichend: Sie verlangen eine schnelle und signifikante Reduzierung der CO2-Emissionen – um 43 % bis 2030 und um 69 % bis 2040. Darüber hinaus fordern sie finanzielle Entschädigung für die bereits entstandenen Schäden und die Bereitstellung von Mitteln für notwendige Hochwasserschutzmaßnahmen. Ibu Asmania äußerte sich sehr zufrieden über die Entscheidung des Gerichts, den Fall anzunehmen, was als wichtiger Schritt für die Kläger angesehen wird.
Holcim, das seit 2019 keine Zementwerke mehr in Indonesien betreibt, hat angekündigt, gegen die Zulassung der Klage Berufung einzulegen. Das Unternehmen bekräftigt sein Engagement, bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen, vertritt jedoch die Ansicht, dass die Legislative und nicht die Gerichte über die Umsetzung dieser Ziele entscheiden sollten. Holcim ist weiterhin davon überzeugt, dass der Gerichtssaal nicht das geeignete Forum ist, um die globale Herausforderung des Klimawandels zu bewältigen. Ungeachtet Holcims Position könnte dieser Fall jedoch einen bedeutenden Präzedenzfall für zukünftige Klimaklagen gegen multinationale Konzerne schaffen und die öffentliche und rechtliche Diskussion über die Verantwortlichkeit der Industrie im Kampf gegen den Klimawandel entscheidend prägen.
Quelle: DW, Pari islanders take on cement giant Holcim in Swiss court, Khmer Times, December 23, 2025.
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