Oberstes Gericht hört Ny Naks Berufung in Verleumdungsfall

Oberstes Gericht hört Ny Naks Berufung in Verleumdungsfall

Das Oberste Gericht Kambodschas hat kürzlich die Berufung des Agrarwissenschaftlers Ny Nak verhandelt, der wegen Verleumdung und Anstiftung zur Diskriminierung gegen den Minister für Arbeit und Berufsausbildung, Heng Sour, verurteilt worden war. Die Vorinstanzen hatten Ny Nak, 44 Jahre alt, zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt. Zusätzlich wurde er zu einer Geldstrafe von drei Millionen Riel, umgerechnet etwa 750 US-Dollar, sowie zu einer erheblichen Entschädigungszahlung von 200 Millionen Riel, was ungefähr 50.000 US-Dollar entspricht, an den Kläger Heng Sour verurteilt. Die Grundlage dieser Verurteilung waren mehrere Beiträge, die Nak in sozialen Medien geteilt hatte und die als beleidigend und diskriminierend eingestuft wurden.

Während der Anhörung vor dem Obersten Gerichtshof bekräftigte der stellvertretende Staatsanwalt Pen Sarath die Rechtmäßigkeit der vorangegangenen Urteile. Er betonte, dass die Entscheidungen der unteren Gerichte korrekt und vollständig im Einklang mit den geltenden Gesetzen getroffen worden seien. Sarath forderte den Richtersenat des Obersten Gerichts eindringlich auf, das gegen Ny Nak verhängte Urteil in vollem Umfang aufrechtzuerhalten und die Berufung somit abzuweisen.

Ny Nak seinerseits lehnte die Urteile der unteren Gerichte vehement ab und präsentierte seine eigene Verteidigung. Er argumentierte, dass seine Facebook-Beiträge nicht als Verleumdung, sondern lediglich als eine Form der Meinungsäußerung zu verstehen seien. Diese Meinungsäußerungen, so Nak, basierten auf öffentlich zugänglichen Informationen und Nachrichten, die zu diesem Zeitpunkt in den sozialen Medien kursierten. Ein zentraler Punkt seiner Verteidigung war auch die Behauptung, dass sich der in den umstrittenen Posts erwähnte Name "Heng Sour" nicht explizit auf den aktuellen Minister für Arbeit und Berufsausbildung bezogen habe. Er forderte das Oberste Gericht auf, die gegen ihn erhobenen Anklagen vollständig zu entkräften und seine sofortige Freilassung anzuordnen.

Die gerichtlichen Dokumente legen dar, dass die Kontroverse im Dezember 2023 begann. Zu diesem Zeitpunkt hatten Ny Nak und seine Verbündeten auf seinem Facebook-Konto mit dem Namen "IMAN-Kh" Behauptungen verbreitet, wonach die Regierung Minister Heng Sour 100 Hektar Land gewährt habe. Diese Behauptung wurde mit einem sarkastischen Unterton versehen, indem angedeutet wurde, das Land solle zum Bau von 2.000 Fabriken für Arbeitsbeamte genutzt werden. Das Ministerium für Arbeit und Berufsausbildung reagierte auf diese Posts, indem es Ny Nak kontaktierte, um ihn über die Falschheit der Informationen aufzuklären und ihn gleichzeitig aufforderte, die betreffenden Beiträge zu entfernen. Trotz dieser offiziellen Klarstellung setzten Ny Nak und seine Mitarbeiter die Verbreitung der umstrittenen Informationen in den sozialen Medien fort und stellten öffentlich die Frage, welche Verdienste Minister Sour erbracht hätte, um eine solche Landzuteilung zu rechtfertigen.

Die endgültige Urteilsverkündung in diesem Fall ist für den 30. Dezember angesetzt. Dieser Fall hat in Kambodscha eine wichtige Diskussion über die Grenzen der Meinungsfreiheit in der digitalen Welt und die juristischen Konsequenzen von Äußerungen in sozialen Medien ausgelöst, insbesondere wenn diese Personen des öffentlichen Lebens oder Regierungsmitglieder betreffen. Das bevorstehende Urteil des Obersten Gerichts wird nicht nur für Ny Nak persönlich von Bedeutung sein, sondern könnte auch einen Präzedenzfall für ähnliche zukünftige Fälle in Kambodscha schaffen.

Quelle: Buth Reaksmey Kongkea, Top court hears Ny Nak’s appeal in defamation case, Khmer Times, December 26, 2025.
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