Ein besorgter Leserbrief, verfasst von Aun Samathi aus Phnom Penh und veröffentlicht in den Khmer Times, wirft ein kritisches Licht auf die Diskrepanz zwischen offiziellen Statistiken zur Stromversorgung in Kambodscha und der Realität in einigen schnell wachsenden Gebieten der Hauptstadt. Laut dem Elektrifizierungsdatensatz der Weltbank für 2023 haben beeindruckende 95 % der kambodschanischen Bevölkerung Zugang zu Elektrizität. Diese hohe Anschlussrate steht jedoch im krassen Gegensatz zu den Bedingungen, die Samathi in mehreren "Boreys", den umzäunten Wohnsiedlungen, unweit der 60- und 50-Meter-Straßen sowie Spean Thmar in Meanchey, beobachtet.
In diesen Boreys, die oft als attraktive Wohnorte beworben werden, fehlt es an einer zuverlässigen Strom- und sauberen Wasserversorgung. Anstatt an das staatliche Netz angeschlossen zu sein, sind die Bewohner auf private Stromanbieter angewiesen, die den Strom wahrscheinlich von der Electricité du Cambodge (EDC) beziehen und ihn dann an die Gemeinden weiterverkaufen. Diese inoffizielle Versorgung führt häufig zu Stromausfällen und Spannungsschwankungen (Brownouts), was nicht nur den Alltag der Bewohner stört, sondern auch eine ernsthafte Gefahr für teure Haushaltsgeräte und Klimaanlagen darstellt. Das Risiko von Bränden steigt, und die Lebensqualität sinkt erheblich. Die Wasserversorgung ist ebenfalls prekär, da sie primär aus Brunnen statt aus dem öffentlichen Wassernetz stammt.
Die Situation wird durch die rasante Entwicklung weiterer Projekte entlang der genannten Hauptverkehrsadern noch verschärft. Viele Käufer, die erhebliche Summen – teilweise bis zu 500.000 US-Dollar – in diese Häuser investiert haben, sind frustriert. Einige haben ihre Wohnungen bereits verlassen und kündigten an, erst zurückzukehren, wenn eine stabile Wasser- und Stromversorgung durch die Regierung gewährleistet ist. Infolgedessen stehen zahlreiche teure Häuser leer. Hinzu kommt eine mangelhafte Instandhaltung durch die Entwickler, die nach dem Verkauf der meisten Einheiten nur wenig Aufmerksamkeit auf die Pflege der Gemeinschaftsbereiche legen.
Aun Samathi fordert das Ministerium für Bergbau und Energie dringend auf, diese Missstände anzugehen. Es sei entscheidend, dass Entwickler bei der Beantragung von Baugenehmigungen für Gated Communities umfassende und transparente Informationen über die geplante Infrastruktur an die zuständigen Versorgungsbehörden übermitteln. Ohne diese Klarheit und behördliche Aufsicht besteht die Gefahr, dass viele dieser Boreys zu "Geisterstädten" verkommen, was nicht nur eine Verschwendung von Ressourcen darstellt, sondern auch das Vertrauen der Bevölkerung in den Immobilienmarkt untergräbt.
Quelle: Aun Samathi, Where is the power and water supply if 95% of Cambodians are connected?, Khmer Times, Aktuell.
Link zum Artikel
