Grenzruhe bietet Chance zur Versöhnung, sagen Experten

Grenzruhe bietet Chance zur Versöhnung, sagen Experten

Die Ruhe an der Grenze zwischen Kambodscha und Thailand seit der Unterzeichnung des jüngsten Friedensabkommens bietet eine potenzielle Chance zur Versöhnung. Experten warnen jedoch, dass ein dauerhafter Frieden über den Waffenstillstand hinausgeht und nachhaltige diplomatische, gesellschaftliche und Basisbemühungen erfordert.

Der Waffenstillstand, der am 27. Dezember in Kraft trat und einen 21-tägigen Grenzkonflikt beendete, hat zu einer ruhigen Lage geführt. Nach der Freilassung von 18 kambodschanischen Soldaten, die 155 Tage lang von der thailändischen Armee festgehalten worden waren, gab es weder Kämpfe noch neue Anschuldigungen. Youk Chhang, Direktor des Dokumentationszentrums von Kambodscha (DC-Cam), bezeichnete die Entwicklung als ermutigend, mahnte aber zur Vorsicht. Er betonte, dass ein Waffenstillstand nur ein erster Schritt sei und dauerhafter Frieden anhaltende Bemühungen, Abkommen und Zusammenarbeit erfordere. Youk Chhang kritisierte auch, dass die thailändische Regierung möglicherweise nicht bereit oder fähig sei, die notwendige Führungsrolle für den Frieden zu übernehmen, und dass Kambodscha möglicherweise auf die nächste Regierung nach den Wahlen im Februar warten müsse. Er unterstrich zudem, dass der Konflikt eine „illegale Aggression“ gegen Kambodscha darstellte und die entstandenen Schäden berücksichtigt werden müssten.

Der ehemalige Diplomat Pou Sothirak, Berater des Cambodian Centre for Regional Studies, betonte die Notwendigkeit von Top-Down- und Bottom-Up-Maßnahmen. Er forderte regelmäßige hochrangige Treffen des Allgemeinen Grenzausschusses Kambodscha-Thailand, gemeinsame Grenzüberwachung und den Einsatz neutraler Vermittler. Transparenz und Rechenschaftspflicht seien entscheidend für das Vertrauen. Auf gesellschaftlicher Ebene schlug Sothirak öffentliche Sensibilisierung und kulturellen Austausch vor, um Falschmeldungen zu bekämpfen und gegenseitigen guten Willen zu fördern. Auch die Rolle lokaler Gemeinschaften und positiver Botschaften in den sozialen Medien sei wichtig, um die Unterstützung für den Frieden an der Basis zu stärken.

Minister für auswärtige Angelegenheiten und internationale Zusammenarbeit, Prak Sokhonn, erklärte, dass die Priorität darin liege, den Waffenstillstand aufrechtzuerhalten, um eine günstige Atmosphäre für die Umsetzung früherer Friedensabkommen zu schaffen. Der nächste Schritt sei die Versöhnung, um die diplomatischen Beziehungen zu normalisieren und wieder gute Nachbarn zu werden. Er betonte die gemeinsame Verantwortung beider Länder für ein friedliches und harmonisches Zusammenleben und den Wohlstand ihrer Völker. Die Sprecherin des Verteidigungsministeriums, Generalleutnant Maly Socheata, bekräftigte Kambodschas Engagement für die Einhaltung des Waffenstillstands und die Überwachung der Grenze zum Schutz des nationalen Territoriums, um Vertrauen aufzubauen und einen dauerhaften Waffenstillstand zu ermöglichen.

Quelle: Taing Rinith, Border calm offers opportunity for reconciliation, experts say, Khmer Times, January 2, 2026.
Link zum Artikel