Malaysia hat ein geplantes Sondertreffen der Außenminister der Vereinigung Südostasiatischer Nationen (ASEAN) verschoben, das ursprünglich für den 16. Dezember 2025 angesetzt war, um den eskalierenden Grenzkonflikt zwischen Thailand und Kambodscha zu behandeln. Die Verschiebung auf den 22. Dezember erfolgte auf Antrag Thailands, wie der malaysische Premierminister Anwar Ibrahim bekannt gab. Anwar betonte die Dringlichkeit, die Kämpfe einzustellen, und steht täglich virtuell mit den beteiligten Nationen in Kontakt.
Der seit dem 7. Dezember andauernde Konflikt hat sich über die gesamte 817 Kilometer lange gemeinsame Grenze ausgebreitet und zur Vertreibung von rund einer halben Million Menschen geführt. Beide Länder berichten von Opfern: Kambodscha meldet 15 tote Zivilisten, 73 Verletzte und über 409.000 Vertriebene. Thailand spricht von 17 getöteten Soldaten und einem zivilen Todesopfer sowie der Evakuierung von mehr als 258.000 Zivilisten. Die Kämpfe sind durch den Einsatz von Artillerie, Raketen und auf thailändischer Seite auch durch Luftangriffe mit F-16- und Gripen-Jets gekennzeichnet. Kambodscha wirft Thailand „intensive Angriffe“ und „aggressive Handlungen“ in der Nähe von zivilen Flüchtlingslagern in der Provinz Siem Reap vor.
Premierminister Anwar Ibrahim hatte zuvor seinen vietnamesischen Amtskollegen Pham Minh Chinh über Malaysias Absicht informiert, den Sondergipfel zu leiten, um die Lage zu beurteilen, Spannungen abzubauen und die kollektive Rolle der ASEAN bei der Sicherung der regionalen Sicherheit zu stärken. Anwar hat zudem die Entsendung eines ASEAN-Beobachterteams (AOT) unter der Leitung von Malaysias Verteidigungschef Mohd Nizam Jaffar beantragt, um die Entwicklungen vor Ort zu überwachen und dem ASEAN-Treffen einen unvoreingenommenen Bericht vorzulegen.
Der Artikel hebt hervor, dass die ASEAN versucht, ihre Rolle bei der Lösung der Krise wieder zu bekräftigen, nachdem frühere Vermittlungsversuche externer Akteure, einschließlich des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, gescheitert waren. Der anhaltende Konflikt stellt eine erhebliche Herausforderung für die Wirksamkeit der ASEAN und ihren Anspruch auf „Zentralität“ in der diplomatischen Architektur der Region dar, da sie Schwierigkeiten hat, einen Streit zwischen zwei ihrer Mitgliedstaaten beizulegen. Trotz Anwars wiederholter Gespräche mit den Premierministern Thailands, Anutin Charnvirakul, und Kambodschas, Hun Manet, konnte kein Waffenstillstand erzielt werden. Während Kambodscha einen Waffenstillstand unterstützt, hat Thailand seine Entschlossenheit bekundet, sein Land und seine Bevölkerung zu verteidigen.
Auch China hat sich öffentlich zu dem Konflikt geäußert und beide Seiten zur „äußersten Zurückhaltung“ und zur Deeskalation aufgerufen, wobei Peking auch aktive Vermittlungsbemühungen zur Schaffung von Bedingungen für Friedensgespräche unternimmt. Der Konflikt ist weiterhin von gegenseitigen Anschuldigungen wegen Aggression und Verstößen gegen das humanitäre Völkerrecht geprägt. Thailands feste Haltung gegen einen Waffenstillstand und Kambodschas Bevorzugung einer Internationalisierung unterstreichen die tief verwurzelte Natur des Disputs, der bereits Monate vor den aktuellen Kämpfen im Jahr 2025 durch Spannungen gekennzeichnet war. Die bevorstehenden thailändischen Parlamentswahlen am 8. Februar könnten ebenfalls Thailands entschlossene Haltung beeinflussen.
Quelle: Sebastian Strangio, Malaysia Postpones Special ASEAN Meeting on Thailand-Cambodia Conflict, The Diplomat, December 16, 2025.
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